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Der europäische Weg zu gesünderen und ertragreicheren Betrieben

Betriebliche Gesundheitsförderung lohnt sich. Ein Arbeitskreis des Fonds Gesundes Österreich beim Europäischen Forum in Alpbach zeigte, weshalb das so ist und weshalb Europas Unternehmen auch in Zeiten der Krise in die Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren sollten.

Die Talsohle scheint erreicht. Noch im Juni rechneten Wirtschaftsforscher/innen mit minus 4,1 Prozent Wirtschaftswachstum. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das Minus in Österreich heuer 3,5 bis 3,8 Prozent betragen wird. Für 2010 werden sogar wieder leicht positive Zahlen für möglich gehalten.

Die Rolle der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in Zeiten der Krise war bei den Wirtschaftsgesprächen des „Europäischen Forums“ in Alpbach Anfang September Thema eines Arbeitskreises des Fonds Gesundes Österreich. Sein Titel: „Der Wirtschaftskrise ganzheitlich begegnen – BGF als europäischer Weg“. Mag. Christoph Hörhan, der Leiter des Fonds Gesundes Österreich: „Jeder Euro für Betriebliche Gesundheitsförderung erbringt einen Return on Investment zwischen zwei und sechs Euro. Ausgaben für Gesundheitsförderung sind also Zukunftsinvestitionen und das gilt unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage. Noch viel höher ist aber der Gesundheitsgewinn für die Beschäftigten zu bewerten.“

20 Prozent mehr Produktivität
Der Sozialepidemiologe Univ.-Prof. em. Dr. Bernhard Badura von der Universität Bielefeld präsentierte in dem Arbeitskreis aktuelle Studienergebnisse zur Wirksamkeit von gesundheitsförderlichen Maßnahmen zur Erhöhung des Sozialkapitals von Betrieben. Dieses bemisst sich unter anderem am Ausmaß gegenseitigen Vertrauens  und gegenseitiger Anerkennung  sowie am Vorrat gemeinsamer Überzeugungen und Werte. Interventionen zur Steigerung des Sozialkapitals zielen deshalb beispielsweise auf höhere Kohäsion im Team, eine mitarbeiter/innenorientierte Führung oder besseres Konfliktmanagement ab. In einem Unternehmen, das entsprechende Maßnahmen umsetzt, wurden im Vergleich zu einem „Kontrollunternehmen“ innerhalb von zweieinhalb Jahren ein Produktivitätszuwachs von knapp 20 Prozent erzielt und die Fertigungskosten um rund acht Prozent reduziert.

Gesunde Strukturen schaffen
Dr. Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf) mit rund 1.200 Mitarbeiter/innen berichtete, wie Gesundheitsförderung bei diesem Unternehmen erfolgreich verwirklicht wurde und wird. In einer ersten Phase des vom Fonds Gesundes Österreich geförderten Projektes „ÖBfit“ wurden die Methoden der BGF in zwei Modellbetrieben im Steyrtal und im Pinzgau erprobt und umgesetzt. Mit diesem Projekt wurden fixe Strukturen geschaffen, um Gesundheitsförderung langfristig etablieren zu können – in Form von körperlichen Ausgleichsübungen für die Forstarbeiter/innen ebenso wie etwa durch Verbesserungen der Zusammenarbeit von Führungskräften und Mitarbeiter/innen. Besonders hervorzuheben ist die erfolgreich umgesetzte Strategie, eine schwer zugängliche Zielgruppe ins Boot zu holen. Verwaltungsmitarbeiter/innen hatten die Möglichkeit, Forstarbeiter/innen an ihren Arbeitsplätzen zu besuchen, sich auszutauschen und somit ein gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Tätigkeitsbereiche zu schaffen. Nach und nach wird BGF nun bis 2011 in weiteren Betrieben der ÖBf eingeführt werden.

Mit allen Dialoge führen
Im Referat von Dr. Heinrich Geißler, Experte für gesundheitsfördernde Führung, wurde thematisiert, dass sich Antworten auf die Krise im eigenen Unternehmen finden lassen. Es ist üblich, dass Betriebe fast immer mehr über ihre Schwächen als über ihre Stärken wissen, und daher häufig den Fokus auf jene Beschäftigten richten, die aus Krankheitsgründen abwesend seien. Geißlers Tipp: „Schenken Sie vor allem auch denjenigen, die immer oder fast immer zur Arbeit erscheinen, besondere Aufmerksamkeit. Sprechen Sie mit diesen ,auffällig Anwesenden’ systematisch in Form eines anerkennenden Erfahrungsaustausches.“ „Gesunde Dialoge“ sollten jedoch auch mit den in jedem Unternehmen vorhandenen Gruppen der tatsächlich gesundheitlich Gefährdeten und häufig Kranken und der Unstabilen geführt werden sowie mit den wenigen, die das soziale System ausnützen.

Auch Dr. Thomas Rigotti, Arbeits- und Organisationspsychologe  von der Universität Leipzig, nannte wichtige Aspekte „gesundheitsförderlicher Führung“, wie etwa Respekt und Anerkennung für die Beschäftigten, Fehlertoleranz, Vermeidung von Über- oder Unterforderung, die eindeutige Erklärung von Zielen und Aufgaben sowie Möglichkeiten zur Partizipation, damit Beschäftigte in einer Organisation sich gerecht und fair behandelt fühlten.

Jetzt in die Beschäftigten investieren
„Betriebe ,verlieren’ derzeit junge und ältere Beschäftigte. Für die Verbleibenden nimmt der Druck zu und löst Stress aus. Die Gefahr von Demotivation, innerem Rückzug und Arbeitsfähigkeitsverlusten steigt“, nahm Dr. Irene Kloimüller Bezug auf Jobverluste durch die aktuelle wirtschaftliche Situation. Die BGF-Expertin plädierte deshalb dafür, dass gerade jetzt die Gesundheitsförderung nicht vernachlässigt werden dürfe. Kloimüller: „Die Krise von heute wird die Personal-, Produktivitäts- und Innovationskrise von Morgen sein, wenn nicht jetzt in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Arbeitsfähigkeit und ihren aktiven Verbleib im Arbeitsprozess investiert wird.“

Ihre erfolgreichen BGF-Aktivitäten brachten DI Gaul von Wolfram Bergbau, Mag. Markus Petz von Saubermacher AG und Viktor Wratschko von Eurotransline in die Diskussion ein und sorgten für regen Austausch über ihre weitreichenden Projekterfahrungen.

 
 
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