1. Dreiländertagung für Betriebliche Gesundheitsförderung
Voneinander lernen
Bei der 1. Dreiländertagung für Betriebliche Gesundheitsförderung tauschten erstmals Expert/innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Erfahrungen und Know-how zur Betrieblichen Gesundheitsförderung aus.
Wie können Unternehmen davon überzeugt werden, sich in der Betrieblichen Gesundheitsförderung zu engagieren? Wie lassen sich insbesondere kleinere Unternehmen erreichen? Mit welchen politischen Konzepten können die gegenwärtigen Veränderungen in der Arbeitswelt gesundheitsgerecht gestaltet werden? Mit diesen Fragen befassten sich u.a. die rund 200 Teilnehmer/innen der ersten Dreiländertagung für Betriebliche Gesundheitsförderung Ende März in St. Gallen. Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren zusammengekommen, um bewährte und neue Strategien in diesem Bereich zu vergleichen und voneinander in Theorie und Praxis zu lernen.
Mag. Dr. Klaus Ropin, Gesundheitsreferent beim Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), zeichnete in seinem Plenumsvortrag eine „Landkarte“ der Betrieblichen Gesundheitsförderung in Österreich. Zu deren wesentlichen Kennzeichen zählt ein bundesweites Netzwerk von Servicestellen für Betriebliche Gesundheitsförderung bei den Gebietskrankenkassen aller neun Bundesländer. Hier erhalten interessierte Unternehmen Beratung und Unterstützung. Zudem gibt es gezielte Projektförderung und Ausbildungen für Moderator/innen von Gesundheitszirkeln, Projektleiter/innen und „Gesundes Führen“ durch den FGÖ. „Die Betriebliche Gesundheitsförderung ist in Österreich auf einem guten Weg“, sagte Ropin zusammenfassend. „Für die Zukunft sind unter anderem noch mehr finanzielle Anreize, höhere Verbreitung bei kleinen Unternehmen und eine größere Breitenwirkung anzustreben.“
BGF in der Schweiz und Deutschland
Bettina Schulte-Abel ortete in der Schweizer BGF-Landschaft vor allem auf politischer und struktureller Ebene noch Nachholbedarf: „Betriebliche Gesundheitsförderung findet mit wenigen Ausnahmen auf freiwilliger Basis und aufgrund von Eigeninitiative statt“, sagte die Vizedirektorin von Gesundheitsförderung Schweiz. Es seien aber auch positive Entwicklungen zu beobachten, so Schulte-Abel. Dazu zähle, dass die Zahl an Anbietern von BGF in der Schweiz derzeit wachse, dass zunehmend gute Weiterbildungen zu diesem Thema angeboten würden und dass sich die Vernetzung gut entwickle.
Fritz Bindzius von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und Dr. Volker Wanek vom GKV-Spitzenverband präsentierten den Teilnehmer/innen die „Landkarte“ der Betrieblichen Gesundheitsförderung in Deutschland. Das Fazit der beiden Referent/innen lautete, dass BGF in der Arbeitswelt und der
Gesellschaft in Deutschland mittlerweile fest verankert sei und sich auf einen positiven Grundkonsens der Verantwortlichen stützen könne. Die Betriebliche Gesundheitsförderung müsse in Deutschland jedoch noch weiter ausgebaut und gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass die Diskrepanz zwischen den Nutznießer/innen von BGF und sozial Benachteiligten nicht wachse.
Beschleunigung regiert
„Wenn die Gesundheit nicht zählt“ war der Titel eines Vortrags am zweiten Tag der Konferenz. Univ.-Prof. Dr. Andreas Krause von der Fachhochschule Nordwestschweiz thematisierte darin den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Höchstleistung und Selbstgefährdung“. Denn zunehmend arbeiten Führungskräfte und Beschäftigte auch dann, wenn sie krank sind oder sich erholen sollten. „Nicht Geld, nicht Macht, sondern Beschleunigung regiert die moderne Welt“, lautete die Hauptthese im Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Hartmut Rosa von der Universität Jena. Der Soziologe befasste sich unter anderem damit, welche Auswirkungen das zunehmende Lebens- und Arbeitstempo auf unseren Alltag und unsere Gesundheit hat.
Ein konkretes Ergebnis der gelungenen Veranstaltung war auch, dass in allen drei Ländern vor allem für Klein- und Kleinstbetriebe noch Handlungsbedarf besteht. In der Zukunft sollen deshalb in engerem Austausch zwischen Stakeholdern und Expert/innen der drei Nationen Ansätze entwickelt werden, wie BGF in Betrieben dieser Größe breit und nachhaltig verankert werden kann. „Zum Abschluss der Tagung in St. Gallen wurden konkrete Vereinbarungen zur weiteren Zusammenarbeit getroffen. Das wird zu einer rascheren Entwicklung in diesem Bereich beitragen“, ist Mag. Christa Peinhaupt, die Leiterin des FGÖ, überzeugt.
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- 12.08.2011 | © FGÖ