Die anti-revolutionäre Generation
„,Es stinkt mich an’, sagen viele Jugendliche. Wenn man dann nachfragt: „Was tust du dagegen?‘, kommt zumeist: ,Nichts, was soll ich auch tun – man kann eh nichts ändern.’ Vier Jahrzehnte nach Woodstock und 25 Jahre nach Hainburg blickt die Jugend nicht visionär in die Zukunft, sie solidarisiert sich nicht und sie ergreift auch nicht die Initiative, sie wirkt vielmehr wie gelähmt.“ – So fasst der Pressedienst des Instituts für Jugendkulturforschung die Ergebnisse der Studie „Die anti-revolutionäre Generation. Selbstverständlichkeit und Grundbefindlichkeit Jugendlicher vierzig Jahre nach Woodstock“ zusammen. Für die von Dr. Beate Grossegger geleitete Forschungsarbeit wurden 2008 und 2009 mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, dem Burgenland und der Steiermark Intensivinterviews geführt.
Fünf „postideologische Haltungstypen“ wurden im Rahmen der Forschungsarbeit herausgearbeitet. Sie sollen darstellen, welche Zugänge Jugendliche heute zu Gesellschaft und Politik suchen und finden:
Typus 1 „politisch-passive Fun-People“ und Typus 2 „gleichgültige Scheiß-drauf-Philosoph/innen“ unterscheiden sich zumindest auf den ersten Blick kaum: Sie denken und handeln post-demokratisch. Das heißt politische Beteiligung reduziert sich auf die Stimmabgabe am Wahltag.
Typus 3 „ergebnisorientierte Pragmatiker/innen“ sehen Politik vor allem als Dienstleistung an den Bürger/innen – Motto: Es muss mir etwas bringen.
Typus 4 „Reflektiert-Selbstbestimmte“ sind politisch interessierte junge Menschen, die sich kritisch mit den großen gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit auseinandersetzen. Allerdings: Auch sie beobachten und kommentieren laut der Studie des Instituts für Jugendkulturforschung lieber, als selbst die Ärmel hochzukrempeln und politisch aktiv zu werden.
Typus 5, die „hedonistisch-idealistischen Rebellen“ repräsentieren heute die kulturelle Avantgarde. Sie suchen nach Neuem, sind bereit zu experimentieren und finden darin Selbstverwirklichung. Sie konzentrieren ihren Idealismus allerdings vorzugsweise auf Bereiche, die im persönlichen Alltag relevant sind und die ihnen zudem auch Spaß machen. „Weltanschauungsdruck“ ist ihnen verhasst.
Zusammenfassend stellt die Grundlagenstudie des Instituts für Jugendkulturforschung fest, dass Jugendliche heute mit rein weltanschaulichen Argumenten schwer zu erreichen seien. Dies gelte für alle fünf Haltungstypen – und ist als Hintergrundinformation natürlich auch für die Gesundheitsförderung im Jugendbereich von großem Interesse.
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- 22.12.2009 | © FGÖ