Zehn Jahre Gesundheitsplattform Liebenau
Liebenau als siebenter Grazer Stadtbezirk war und ist durch seine Randlage in vielen Bereichen benachteiligt und wird in Teilen überproportional von sozialen Randgruppen bewohnt. Seit rund zehn Jahren gibt es hier aber auch die „Gesundheitsplattform Liebenau“. Die ersten Treffen dieses Forums für Bürger/innenbeteiligung fanden 1999 statt und werden seither sechsmal jährlich abgehalten. Das Sozialmedizinische Zentrum (SMZ) Liebenau stellt dafür die Räume und die Organisation zur Verfügung. Liebenauer/innen, Bezirkspolitiker/innen, Vertreter/innen von Schulen, konfessionellen Organisationen und Gesundheits- und Sozialeinrichtungen setzen sich in diesem Rahmen mit bezirksbezogenen gesundheitspolitischen Anliegen auseinander.
Zu den wichtigsten Ergebnissen, die so entstanden sind, zählte zunächst der Gesundheitsbericht „Wie gesund ist Liebenau?“. Er unterstützte internationale Forschungsresultate, wonach es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Krankheit und Schichtzugehörigkeit gibt. So gehören etwa in der Liebenau Pflichtschulabsolvent/innen zur gesundheitlich am meisten benachteiligten Gruppe. Bei den einzelnen Plattformtreffen wurden in der Folge unter anderem Tempolimits auf Straßen im Wohngebiet, Verringerung der Verkehrsbelastung und mehr Grünraum gefordert. Eine Bürgerinitiative erreichte, dass im Stadtentwicklungskonzept von Graz vorgesehene Umwidmungen von Grünflächen in Industriezonen großteils zurückgenommen wurden. 2003 schlossen sich elf Liebenauer Bürgerinitiativen dann auch zur LUBI (Liebenauer Union der Bürgerinitiativen) zusammen. Gemeinsam konnten unter anderem Temporeduktionen erreicht werden: Auf den das Wohngebiet umgebenden Straßen von 100 auf 60 km/h, auf einigen Straßen im Wohngebiet von 50 auf 30 km/h. Ab 2004 wurde im Rahmen der Plattformtreffen an der Erstellung und Umsetzung des „Leitbildes Gesundes Liebenau“ gearbeitet. Einige der darin enthaltenen Forderungen wurden schon verwirklicht: zum Beispiel sichere Radwege für den Bezirk, eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Murauen für Gehwege und Freizeitgestaltung zu nutzen oder einen Sport-, Spiel- und Skaterpark für Kinder und Jugendliche zu gestalten. Insgesamt ist die erste Dekade des Forums für Bürgerbeteiligung ein erfolgreiches Beispiel dafür, wie Empowerment und Partizipation, die beiden Grundprinzipien der Gesundheitsförderung, auf lokaler Ebene umgesetzt werden können. Die Gesundheitsplattform Liebenau zeigt, wie Bürgerinnen und Bürger ihren Wohnbezirk aktiv mitgestalten und ihre Gesundheitschancen besser nutzen können.
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- 03.10.2009 | © FGÖ