Gelebter Jugendschutz: „Nachdenken statt Nachschenken“
Alarmierende Situation: Seit 1.1.2007 wurden bereits über 1300 Jugendliche mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die heute von der Präsidentin des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky vorgestellte bundesweite Kampagne mit dem Titel „Nachdenken statt Nachschenken“ weist auf die Verantwortung der Gesellschaft und insbesondere der Wirtschaft hin.
Täglich erscheinen neue Schlagzeilen zum Thema Alkoholmissbrauch und Komasaufen von Teenagern, eine dramatischer als die andere. Die Reaktionen: Empörung, Entsetzen und gegenseitige Schuldzuschreibungen. Tatsächlich ist der Alkoholkonsum der Jugend ein gesamtgesellschaftliches Problem, an dem verschiedene Akteure beteiligt sind. In einer gemeinsamen Aktion des Fonds Gesundes Österreich, des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend und des ORF wird nun die Verantwortung der gesamten Gesellschaft und insbesondere der Wirtschaft für den Umgang der Jugend mit Alkohol betont.
Die FGÖ-Präsidentin, Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky über den Hintergrund der Präventionskampagne: „Mir ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Alkoholmissbrauch ein besonders großes Anliegen. Alkohol ist kein Problemlöser und mein Ziel ist es, Jugendliche zu einem bewussten Nein zu motivieren. Helden sind nicht die, die 5 Liter Bier trinken können, sondern jene, die auch ohne sinnloses Betrinken Spaß haben. Im Kampf gegen Alkoholmissbrauch ist ein gemeinsames Vorgehen notwendig. Denn Jugendschutz geht uns alle etwas an.
Jeder mündige Erwachsene hat eine entsprechende Vorbildrolle und sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein – dazu gehört sowohl Gesprächsbereitschaft in der Familie als auch eine gewisse Kontrolle.“
Ziel der Kampagne ist es, die Verhältnisse, in denen Jugendliche aufwachsen so zu verändern, dass Alkoholmissbrauch immer weniger möglich wird. Wichtige Partner dazu sind alle Unternehmen, die mit Alkohol zu tun haben und Jugendliche zu ihren Kunden zählen. „Ich freue mich daher besonders, dass es gelungen ist, die wichtigsten großen Player in diesem Bereich an Bord zu holen“, so die Ministerin weiter. Neben vielen Gastronomiebetrieben, die im Rahmen von konkreten Projekten bei der Kampagne mitarbeiten wurde die „Nachdenken statt Nachschenken“ Charta für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol von Handelsunternehmen wie z.B. der REWE Gruppe, Hofer, ADEG, Nah&Frisch und M-Preis unterschrieben. SPAR hat bereits angekündigt, die Aktion ebenfalls voll zu unterstützen. Durch die Mitgliedsunternehmen des Fachverbands der Mineralölindustrie (AGIP, BP, CONOCO-PHILLIPS, ESSO, MOL, OMV, SHELL) sind tausende Tankstellen in ganz Österreich Partner der Aktion. Mit der Unterzeichnung der Charta bekennen sich all diese Unternehmen zu ihrer Verantwortung und verpflichten sich zu aktivem Jugendschutz, der über die derzeitigen Standards hinausgeht.
„Der erste Kontakt mit Alkohol findet bei den meisten Kindern und Jugendlichen in der Familie statt“, erklärt Mag. Christoph Hörhan, Leiter des FGÖ. Eine Studie des Fonds vom Herbst 2006 ergab, dass bereits 67 % der 11-13jährigen bei familiären Festen Alkohol zu sich nehmen. Das durchschnittliche Alter, in dem zum ersten Mal Alkohol getrunken wird, liegt bei 12 Jahren und 9 Monate. 9 % der 11-13jährigen konsumieren mindestens ein Mal pro Woche Alkohol, 56 % der 14-16jährigen und bei den 17-19jährigen sind es bereits knapp 70 %.
„Eine zentrale Voraussetzung für diese Besorgnis erregenden Zahlen ist, dass Alkohol an vielen Orten ohne große Hürden zu bekommen ist“, so Hörhan weiter. “In diesem Zusammenhang freut es uns besonders, dass die Wirtschaft schon im Vorfeld so positiv auf unsere Kampagne reagiert hat. Durch die enge Kooperation mit vielen führenden Betrieben und zahlreiche Projekte in allen Bundesländern wird diese Kampagne einen wesentlichen Beitrag zum Jugendschutz leisten.“
Eigentlicher Schwerpunkt der Kampagne sind aber 154 konkrete Projekte in allen Bundesländern, mit denen Gastronomie, Handel, Jugendbetreuer und natürlich Jugendliche selbst angesprochen und eingebunden werden. „Durch Projekte wie Mystery Shopping, alternative Getränkeangebote in der Gastronomie und rauschfreie Partykultur wollen wir Voraussetzungen schaffen, in denen es den Jugendlichen leichter fällt, den Gefahren des Alkohols zu widerstehen“, so Hörhan.
ORF als Kooperationspartner
Die Medienkampagne wurde vom ORF gemeinsam mit Gesundheitsexperten des Fonds Gesundes Österreich konzipiert, die Produktion der Radiospots erfolgte durch den ORF, die der TV-Spots in Kooperation mit der Filmfirma jerkfilms. Insgesamt werden in ORF 1 und ORF 2 100 TV-Spots und in den ORF Radios (Ö3, FM4, Regionalradios) 140 Spots gesendet, eine Navigationskampagne auf http://orf.at verstärkt die mediale Präsenz der Kampagne. Weiters wird der ORF wie bereits in den vergangenen Wochen in den aktuellen Informationssendungen in TV und Radio, aber auch in den Magazinen wie etwa „Newton“ über das Thema berichten. Über regionale Aktionen informieren die Landesstudios, u. a. in einem einstündigen „Radio Niederösterreich Spezial“ zum Thema „Jugend & Alkohol“.
„Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist ein österreichweites Problem. Die erschreckenden Auswüchse einer über Jahre stark steigenden Tendenz des frühen und übermäßigen Alkoholkonsums sind kein kurzfristiges Phänomen, sondern lediglich medial präsentes Symptom einer tief greifenden gesellschaftlichen Fehlentwicklung. Jugendliche orientieren sich an Vorbildern, ob das Eltern, Promis, Popstars, Politiker oder andere sind. In Österreich ist Alkohol im Alltag leider zur Normalität geworden und diese Selbstverständlichkeit wird von Jugendlichen kopiert. Der ORF will gemeinsam mit dem Fonds Gesundes Österreich und Präventionsexperten fachlich fundiert informieren und aufklären und an die Vorbildwirkung jedes Einzelnen von uns appellieren“, erklärt Hörfunkdirektor Dr. Willy Mitsche die Partnerschaft des ORF.
Primaria Dr. Susanne Lentner, stellvertretende Leiterin des Anton Proksch-Instituts über die aktuelle Situation: „Komatrinken ist nicht neu und nur ein Phänomen der Jugendkultur. In den 90er Jahren zeigt sich allerdings eine deutliche Verschärfung der Problematik in Hinblick auf Unterschreitung des Konsumalters und bezüglich der Trinkmengen, das heißt die Konsumierenden werden immer jünger und trinken immer mehr. Beleg hierfür und ist die bundesländerweite Verdoppelung der Einlieferungen von Jugendlichen mit Alkoholvergiftungen, die uns veranlassen sollte entsprechend notwenige Präventivmaßnahmen zu setzen – die allerdings auf verschiedene Ebenen ablaufen müssen, denn: Die Gründe für das Komatrinken sind vielschichtig, wobei auf die soziale Komponente und gesellschaftliche Prozesse nicht vergessen werden darf.“
Das Hauptaugenmerk der Kampagne „Nachdenken statt Nachschenken“ wird darum auf Eltern und Erwachsenen liegen, die sich ihrer Vorbildrolle und Verantwortung bewusst werden sollen. Neben einer „Trinkkultur“ soll auch eine Genusskultur ohne Alkohol forciert werden.
Kampagnenpartner aks Austria und ARGE Suchtprävention
Um de vielen Facetten der Problematik gerecht zu werden, bereiten die Experten des aks Austria und der ARGE Suchtprävention in allen Bundesländern spezifische Maßnahmen und Veranstaltungen vor, die besonders an gesellschaftlichen Problemstellen ansetzen und dort sensibilisieren. Auf dieser Landesebene wird wiederum die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Vereinen genutzt, um noch gezielter die direkte Umgebung von Kindern und Jugendlichen anzusprechen.
Homepage www.nachdenkenstattnachschenken.at
In eigenen Bereichen findet jede Zielgruppe – Eltern und Bezugspersonen, Handel, Gastronomie und Veranstalter, sowie Jugendliche – spezielle Inhalte, die wertvolle Informationen, Anregungen und Hilfestellung bieten und auch über Veranstaltungen und Projekte informieren. Interessierte Handels- und Gastronomiebetriebe können sich die Charta herunterladen bzw. bestellen und Veranstalter finden wichtige Hinweise für jugendgerechte Feste.
Die TV- und Hörfunkspots finden Sie zum download hier:
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- 25.06.2007 | © FGÖ