Autonomie bis ins hohe Alter
Diagnose: Schenkelhalsfraktur, zugezogen beim Versuch, aus der Badewanne zu steigen. Die Geschichte von Gerlinde K. ist kein Einzelfall. Bis zu ihrem Sturz hatte die 75-jährige, rüstige Frau allein zu Hause gelebt. Sie hat sich selbst versorgt, war kerngesund und voll mobil. Allein beim Gehen hatte sich in den letzten Monaten eine gewisse Ungeschicklichkeit entwickelt. Diese wurde ihr dann zum Verhängnis. Ob sie nach der operativen Versorgung ihrer Fraktur wieder in ihre Wohnung zurückkehren kann, ist noch ungewiss.
Kompetente Beratung vor Ort
„Auf solche Probleme zielt unser Projekt ab“, betont Gaby Wirth, Geschäftsführerin der Hauskrankenpflege Vorarlberg und Mitinitiatorin des Projekts‚ „70+ – Unabhängig leben im Alter“. „Wir wollen Defizite bei älteren, noch selbständig wohnenden Menschen frühzeitig erkennen und Lösungen anbieten, noch bevor schwerwiegende Probleme entstehen. Zu diesem Zweck bieten wir seit 2007 älteren Menschen kostenlose Beratung und kompetente Hilfestellung an.“ Der Startschuss für das Projekt erfolgte in Form eines Schreibens der Bürgermeister/innen an alle über 70-Jährigen Einwohner/innen der beteiligten Gemeinden. Neben einem Infofolder enthielt das Schreiben eine Einladung zu einem kostenlosen Gespräch. „Diese Gespräche finden in den eigenen vier Wänden der Klient/innen statt“, erklärt Wirth. „Sie werden als präventive Hausbesuche von speziell ausgebildeten Gesundheitsberater/innen durchgeführt.“
Die Lebebssituation erfassen
Ziel dieses Haubesuchs ist es, das körperliche und psychische Befinden der Klient/innen zu erheben sowie die soziale Situation und alles, was im Zusammenhang zur Mobilität steht, detailliert zu erfassen. „Besondere Beachtung finden potenzielle Sturzquellen. Die aktuelle Lebenssituation wird in all ihren Facetten durchleuchtet, Probleme werden erkannt und mögliche Hilfestellungen in Gang gesetzt. Wenn nötig, werden weitere Hilfsdienste hinzugezogen, wie etwa Essen auf Rädern, Betreuung durch den mobilen Hilfsdienst, Betreuung durch selbständige Personenbetreuer/innen des Vorarlberger Betreuungspools oder regelmäßige Besuche durch Hauskrankenpfleger/innen. Pflegebehelfe, wie etwa ein Badelift, können direkt vor Ort verordnet werden.“ Alle Gesundheitsberater/innen sind diplomierte Krankenpflegekräfte, die eine spezielle Ausbildung für die Durchführung präventiver Haubesuche erhalten haben. Sie wissen über Hilfsangebote für ältere, kranke Menschen im häuslichen Umfeld bestens Bescheid.
Flächendeckendes Angebot geplant
Das Projekt baut auf den Erfahrungswerten des Pilotprojekts „Vorsorgehausbesuche in Hard“ auf und wird derzeit in 15 Gemeinden Vorarlbergs umgesetzt. Es wird vom Land Vorarlberg, von den betreffenden Gemeinden und vom Fond Gesundes Österreich ko-finanziert. „Seit dem Projektstart haben mehr als 8.000 Menschen über 70 Jahre einen Gutschein für einen kostenlosen Hausbesuch erhalten“, freut sich Wirth. Ziel ist, dass nach einer Laufzeit von drei Jahren mindestens 15 Prozent davon auch tatsächlich einen Besuch angefordert und erhalten haben. Wenn dies tatsächlich erreicht wird, so hat das Land Vorarlberg bereits avisiert, die Projektmaßnahmen weiter fortzusetzen und die Kosten zu übernehmen. Mittelfristig ist auch geplant, das Angebot in Vorarlberg flächendeckend zu umzusetzen. Die Projektleiterin Gaby Wirth ist für die Zukunft jedenfalls optimistisch: „Da die Rückmeldungen sehr positiv sind, ist davon auszugehen, dass das vorgegebene Ziel des Projekts problemlos erreicht wird.“
Information und Kontakt:
Gaby Wirth
Hauskrankenpflege Vorarlberg
Tel. 05572/34935
Fax 05572/34935-15
office@hauskrankenpflege-vlbg.at
www.hauskrankenpflege-vlbg.at
Fotos: Hauskrankenpflege Vorarlberg
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- 21.08.2009 | © FGÖ