Entlastung für Belastete
Menschen mit psychischer Erkrankung und intellektueller Beeinträchtigung sind oft nicht in der Lage, ihre Rechte selbständig wahrzunehmen. Deshalb setzen sich die Sachwalter/innen, Patientenanwält/innen und Bewohnervertreter/innen des Vereins „VertretungsNetz“ für sie ein, und dieser Einsatz ist mitunter eine sehr herausfordernde, anstrengende und auch konflikthafte Aufgabe. Nicht selten ist sie mit gesundheitlichen Belastungen bis hin zum Burnout verbunden. Aus diesem Grund wird das vom Fonds Gesundes Österreich geförderte Projekt „Gesundheit bei VertretungsNetz“ in dieser österreichweiten, rund 500 Mitarbeiter/innen umfassenden Organisation umgesetzt.
„Die Interessen der häufig in prekären Situationen lebenden Klient/innen zu vertreten, belastet unsere Mitarbeiter/innen oft über Gebühr. Zudem sind die Menschen, die bei VertretungsNetz arbeiten, im Schnitt 45 Jahre alt. Wir wollten daher ein Projekt implementieren, das sowohl das Problem psychische Belastung als auch das Thema Gesund Altwerden im Beruf angeht“, erklärt der Leiter des Projekts, der diplomierte Sozialarbeiter Christian Aigner.
Vielfältige Maßnahmen
Neben der Verhaltens- wurde auch die Verhältnisebene neu gestaltet. So wurden den Mitarbeiter/innen etwa Seminare mit Ernährungsberaterinnen angeboten und ein eigenes „VertretungsNetz-Kochbuch“ gestaltet, bei dem das Personal seine Erfahrungen zur gesunden Ernährung einbringen konnte. Für die Angestellten in der Verwaltung wurde eine Möglichkeit zur Supervision geschaffen, um die eigene Arbeitssituation unter Anleitung eines Fachmanns strukturiert zu reflektieren. „Supervision ist in unserer Organisation Standard für jene Mitarbeiter/innen, die Klient/innen vertreten“, erklärt Aigner. „Doch wir haben gelernt, dass auch Sekretär/innen im Empfang oder am Telefon oft schwierige Situationen meistern müssen.“
Zeit- und Ideen-Management
In einen Workshop zum Thema Zeitmanagement, in dem unter anderem spezifische „Zeitfresser“ analysiert wurden, waren alle Bereichsebenen von „VertretungsNetz“ eingebunden. Ein Resultat des Projektes war auch, dass ein eigenes Budget für die regionalen Bereichsleitungen entwickelt wurde, aus dem sie Mehrdienstleistungen oder Ersatzanstellungen von Mitarbeiter/innen, die für Kolleg/innen im längeren Krankenstand einspringen, bezahlen können. Denn Krankheitsfälle, Urlaube und andere Abwesenheiten stellten bisher stets eine erhebliche Mehrbelastung für die Teamkolleg/innen dar.
Außerdem wurde beim VertretungsNetz das „Ideenmanagement“ etabliert. Das ist eine Art Börse für Vorschläge von Mitarbeiter/innen, wie die Organisation verbessert werden kann. In deren Rahmen werden besonders gute Ideen prämiert und umgesetzt. Nicht zuletzt wurden auch regional verschiedenste Aktivitäten durchgeführt: zum Beispiel ein Gesundheitstag für Mitarbeiter/innen einer Region oder Maßnahmen zur Teamentwicklung.
„Nachhaltigkeit schreiben wir bei diesem Projekt grundsätzlich groß“, betont Aigner. „Deshalb haben wir nun auch im Regelbetrieb einen Gesundheitsausschuss installiert. In der Personalabteilung wurde eine zentrale Koordinationsstelle eingerichtet und in den Regionen sollen vier Gesundheitsbeauftragte dafür sorgen, dass das Thema Gesundheit bei VertretungsNetz kontinuierlich berücksichtigt wird.“
Kontakt
VertretungsNetz – Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft, Bewohnervertretung
Projektleiter: DSA Christian Aigner
Tel.: 01/330 46 00-150
christian.aigner@vsp.at
Zuständiger Gesundheitsreferent beim FGÖ:
Mag. Dr. Klaus Ropin
Tel.: 01/895 04 00-14
klaus.ropin@goeg.at
Kooperationspartner:
Forschungsinstitut des Wiener Roten Kreuzes, Firma Prospect, Niederösterreichischer Landesverein für Sachwalterschaft und Bewohnervertretung, „Neustart“
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- 30.03.2011 | © FGÖ